Aktuelles: Grünflächenaufruf (Pressekonferenz am 10.11.2011)

1. Entwicklung

München ist um 1800 aus den Stadtmauern ausgebrochen, seither wurde es großräumig bebaut bis unmittelbar an die Stadtgrenzen. 1500 qm pro Tag werden in München versiegelt. München ist schon zu 50% versiegelt und damit die am stärksten versiegelte Großstadt Deutschlands, (Hamburg 30%) und die am dichtesten besiedelte Großstadt in der BRD. Es bleiben nur wenige Freiflächen als Frischluft-Produzenten (Freiham Nord, im Osten Daglfing/Johanniskirchen, Aubing und im Bereich des Schwarzhölzels).

Ein steigender Versiegelungsgrad hat direkte Auswirkungen auf Kleinklima, Artenvielfalt und Luftqualität. Die Temperatur in M ist schon jetzt 2,5° höher als im Umland. Viele Pflanzen und Tierarten Münchens sind ausgestorben, der kleine Rest drängt sich auf wenigen kleinen Flächen zusammen, von den ehemals riesigen Feuchtgebieten und Mooren sind nur noch ganze 27 Hk  geblieben, halb so viel wie das Gewerbegebiet Freiham Süd.

Der Stadtrat hat erkannt, dass hier ein Problem liegt und hat 2001 die „Leitlinie Ökologie“ verabschiedet, zum dauerhaft nachhaltigen Umgang mit unversiegelten Freiflächen.

 

2. Kritikpunkte

Seither sind 4 Millionen qm im Stadtgebiet für Gebäude und Verkehr versiegelt worden! Die Lebensqualität in der Stadt wird durch den Flächenfraß erheblich beeinträchtigt, Platz für Naherholung und Spielflächen für Kinder scheinen zweitrangig. So können wir Klimaschutz-Ziele nicht erreichen und der Erhalt der biologischen Vielfalt wird unmöglich.

 

Bei manchen Bauvorhaben wird mit dem kostbaren Boden umgegangen als stünde er unbegrenzt zur Verfügung: Gewerbegebiete mit riesigen Bau- und Möbelmärkten sind meist schlecht öffentlich erreichbar, d.h. es wird erwartet, dass man mit dem Auto anfährt, sie sind ausnahmslos einstöckig bebaut mit riesigen Parkplätzen – alle ebenerdig, ohne Parkhäuser über mehreren Ebenen. Welch eine gigantische Flächen-Verschwendung! Außerdem stehen sie teilweise leer. Genauso haben wir einen Leerstand bei Büro-Immobilien.

Schon jetzt sind Allerwelts-Arten wie der Spatz und die Schwalbe aus der Stadt fast verschwunden. Mit dem großen Wohngebiet Freiham Nord und den Großplanungen im Münchner Osten (Daglfing, Johanneskirchen) gehen zwei der vier noch verbliebenen großen Freiflächen, die landwirtschaftlich geprägt sind, verloren. Es bleiben danach nur noch der Raum Aubing und der ums Schwarzhölzl. Damit geraten auch Allerweltsarten der Kulturlandschaft wie Feldhase, Feldlerche und Kiebitz in München an den Rand des Aussterbens. Kinder kennen diese Tiere bald nur noch aus dem Fernsehen.

Innerhalb der Stadt gehen alle Vernetzungsmöglichkeiten zwischen Biotopen verloren. Gerade der besondere Schatz Münchens, die Heiden und ihre Bewohner (zahllose Insektenarten, Schmetterlinge und Heuschrecken) verbleiben nur in kleinen Inseln. Die Stadt bildet inzwischen einen Siedlungsriegel, der von vielen Organismen auf dem Weg von Nord nach Süd und umgekehrt nicht mehr gequert werden kann. Die renaturierte Isar ist zwar erfreulich, aber die Naturflächen in ihrem Ausmaß doch viel zu klein. Nicht einmal vor bayernweit bedeutsamen Biotopen machen die Stadtplaner Halt, wie bei dem Biotop im Gleislager Neuaubing.

Das Argument Geld überwiegt alles Andere. Das werden uns die nächsten Generationen nicht verzeihen, ein Umdenken ist notwendig.

 

3. Was müssen wir tun?

Wir möchten dem ewigen Primat des Geldes etwas entgegensetzen.

Wir möchten die Lebensqualität für die Münchner Bürger erhalten, in dem wir die noch vorhandenen Grünflächen in der Stadt bewahren und nicht einem weiteren Wachstum opfern.

Wachstum scheint das Allheilmittel, aber wir müssen endlich verstehen: die Erde wächst nicht mit. Wir sind verantwortlich für die nächsten Generationen, ein „Weiter wie bisher“ ist keine Option für die Zukunft.

Dr. Irene Frey-Mann

  

Wie wir uns eine andere Stadtentwicklung vorstellen, wird Ihnen Hans-Joachim Schemel erläutern (siehe www.gruenflaechenaufruf-muenchen.de  )

 

Unterschriftensammlung online und per Liste (pdf)

 

Beispiel Freiham, Biotop im Jahr 2006
Fotos F. Haberland

Freiham, Gewerbegebiet im Jahr 2011