Stunde der Wintervögel 2012- Wo sind all die Vögel hin?

Zum 7. Mal fand dieses Jahr die Aktion der „Stunde der Wintervögel“ statt. Von 06. bis 08. Januar mobilisierten LBV und NABU, sowie birdlife Österreich viele Vogelliebhaber in ganz Deutschland und Österreich, eine Stunde lang in Gärten, am Balkon und in Parks Vögel zu beobachten und zu zählen.

Ob per Post, Fax oder Internet- allein in Bayern beteiligten sich 16.289 Menschen und zählten an 11.771 Beobachtungsstellen insgesamt 452.893 Wintervögel! Viele der Teilnehmer nutzten die Chance und schossen tolle Aufnahmen von ihren kleinen Vogelbesuchern. Die Bilder finden Sie unter

www.stunde-der-wintervoegel.de.

Die Meldungen, die uns per Post oder Fax erreichten, wurden per Hand von vielen haupt- und ehrenamtlichen Helfern eingegeben. Allen fleißigen Vogelbeobachtern und emsigen Dateneingebern - ohne Sie wäre diese Aktion nicht möglich – dankt das Team der Stunde der Wintervögel recht herzlich!

 

Dieses Mal Geduld und Glück gefragt!

Aufgrund des auffallend milden und schneearmen Winters und des stürmischen Wetters (Sturmtief Andrea) am Zählwochenende, waren dieses Jahr leider sehr wenige Besucher an den Futterstellen zu Gast. Zudem sind die Wälder mit einem verführerischen Angebot an Bucheckern und Eicheln heuer sehr reichlich bestückt. Aus diesen Gründen wurden leider durchschnittlich 12 % weniger Vogel pro Garten gesichtet als im Vorjahr. Vor allem typische Waldvögel wie Buchfink, Kohlmeise, Buntspecht, Kleiber und Eichelhäher konnten nur selten im eigenen Garten begrüßt werden.

Auch wenn die Teilnehmerzahl deutschlandweit und auch in Bayern im Vergleich zu den letzten Jahren etwas zurückging, trotzten dennoch viele Vogelbeobachter den widrigen Wetterbedingungen und machten dadurch die „Stunde der Wintervögel“ 2012 zu einem großen Erfolg!

 

Der Hausspatz klettert aufs Siegertreppchen!

65979-mal wurde dieses Jahr der Haussperling in ganz Bayern gesichtet und erobert sich so den obersten Platz des Siegertreppchens zurück! Doch leider hat der Spatz nicht nur Grund zu jubeln. Denn trotz des ersten Platzes ist der weitere Rückgang des Haussperlings vor allem in München sichtbar. Die stetige Zunahme von Versiegelung und die steigende Nachverdichtung verringert zusehends das Brutplatz- und Nahrungsangebot des Spatzen. Deshalb engagiert sich der LBV München schon seit einigen Jahren mit einem Spatzenhilfsprojekt für den Erhalt der Brutplätze und hat vor zwei Jahren auch die „Spatzenfibel“ mit wertvollen Infos zu Schutz und Unterstützung der Haussperlinge veröffentlicht. Weitere Informationen zur Broschüre und wie auch Sie dem Spatzen unter die Flügel greifen können, finden Sie hier.

 

Der stolze Sieger 2012- entdeckt von Marcel Fröhlich

Ein weiterer Grund für das relativ gute Abschneiden des Spatzen ist die Kohlmeise, die sich heuer besonders rarmachte; sie belegt dieses Jahr nur Platz 2 der Vogelhitparade. Um die 40.000 Exemplare weniger konnten im Vergleich zum Vorjahr gezählt werden. Der Waldvogel fand aufgrund des schneearmen Winters genügend Nahrung in freier Wildbahn und hatte so wenig Grund, uns in unseren Gärten zu besuchen.

Wie im Vorjahr schließt sich auf Platz 3 der Feldsperling an. Weniger durch die Witterungsbedingungen, sondern durch die immer mehr ausgeräumte Feldflur ist der Feldsperling gezwungen, die ihm bereitgestellten Futterplätze zu nutzen. Diesem Trend zufolge wurden 54.458 Exemplare der Feldsperlinge bei der Stunde der Wintervögel gezählt. In Niederbayern, einer von Maisanbau geprägte Agrarregion, belegt der Feldsperling sogar Platz 1.

 

Vogelhitparade (die 20 in Gesamtbayern am häufigsten gezählten Vögel)

Das Motto dieses Jahres: Weniger ist mehr! Die absoluten Zahlen sind aufgrund des milden Winters und der schlechten Witterung bei nahezu allen beobachteten Vögeln im Vergleich zu den Vorjahren gesunken. Daher ist es trotz geringerer Exemplare für einige Arten möglich, Plätze in der Vogelhitparade gut zu machen (siehe Haussperling, Bergfink).

 

Platz

2010

Anzahl

2011

Anzahl

2012

Anzahl

Platz

1

Haussperling

76238

Kohlmeise

100766

Haussperling

65979

1

2

Kohlmeise

62221

Haussperling

84991

Kohlmeise

62549

2

3

Grünfink

51400

Feldsperling

66216

Feldsperling

54458

3

4

Amsel

51357

Amsel

65604

Grünfink

45343

4

5

Feldsperling

38847

Grünfink

56023

Blaumeise

42881

5

6

Blaumeise

37192

Blaumeise

54831

Amsel

40881

6

7

Buchfink

31970

Buchfink

34916

Buchfink

20731

7

8

Erlenzeisig

28947

Kleiber

13741

Elster

9454

8

9

Bergfink

17108

Rotkehlchen

13704

Rabenkrähe

9256

9

10

Rotkehlchen

10271

Eichelhäher

12819

Rotkehlchen

9009

10

11

Türkentaube

9884

Buntspecht

12752

Kleiber

8134

11

12

Saatkrähe

8395

Elster

11385

Erlenzeisig

7436

12

13

Gimpel

8344

Erlenzeisig

11193

Saatkrähe

6653

13

14

Elster

7739

Goldammer

10265

Buntspecht

5633

14

15

Kleiber

7659

Rabenkrähe

9557

Bergfink

5526

15

16

Rabenkrähe

7391

Gimpel

9196

Türkentaube

5159

16

17

Schwanzmeise

6076

Schwanzmeise

8977

Schwanzmeise

4685

17

18

Goldammer

5996

Türkentaube

7239

Eichelhäher

4437

18

19

Buntspecht

5830

Saatkrähe

7221

Stieglitz

4046

19

20

Stieglitz

5451

Bergfink

6958

Wacholderdrossel

3774

20

 

 

 

 

Die bayerische Gesamttabelle finden Sie in Tabelle 1

 

Wo sind all die Vögel hin, wo sind sie geblieben?

Viele Teilnehmer bedauerten dieses Jahr die verhältnismäßig kleine Schar der Vögel. Vor allem in Schwaben, Oberfranken, der Oberpfalz, Unterfranken und Mittelfranken zeigten sich deutlich weniger Vögel als im Vorjahr. In Nieder- und Oberbayern konnte das Vorjahresniveau gehalten werden.

Die vogelreichsten Gärten hatte ebenso Niederbayern vorzuweisen (47), gefolgt von Oberfranken (42) und der Oberpfalz (41). Unterfranken (37) und Oberbayern (35) lagen unter dem bayernweiten Durchschnitt. Am wenigsten bekamen die Städter vor die Linse: Regensburger sahen im Schnitt 28, Münchner 26 und Rosenheimer sogar nur 24 Vögel.

 

Gäste aus dem Norden

Als Vertreter der nordischen Vogelwelt war auch dieses Jahr wieder, zahlenmäßig ähnlich wie im Vorjahr, der Erlenzeisig in Deutschland zu Besuch. Der Bergfink, ein Liebhaber von Bucheckern und daher vor allem in der Alpenregion anzutreffen, legte bayernweit sogar fünf Plätze zu. Aber keine der Arten kam auch nur annähernd an ihre Zahlen im strengen Winter 2010 heran. Besonders erfreulich ist allerdings der Aufstieg der Wacholderdrossel in die Top 20. Das letzte Mal erreichte sie dieses Ergebnis 2007.

 

Überraschend selten konnte man dieses Jahr die Zugvögel Star und Hausrotschwanz im heimischen Garten beobachten. Obwohl sie uns eigentlich für die kalte Jahreszeit verlassen, hatte ihre Zahl der hiergebliebenen Vögel in den letzten Jahren stetig zugenommen. Doch dieses Jahr hat sich ihre Anzahl halbiert- der LBV vermutet den harten Winter 2010/2011 als Grund dafür. Viele „Ausharrer“ haben diesen Winter wohl nicht überlebt.

 

Bald ganz verschwunden? Die Amsel sprang Z. Tunka vor die Linse

Sorge um die Amsel!

Die Amsel erreichte in diesem Jahr mit 40.881gemeldeten Exemplaren nur noch den sechsten Platz. Bereits in den vergangenen Monaten waren auffallend wenige dieser Singvögel,  die im letzten Jahr noch an vierter Stelle lagen, an den Futterplätzen beobachtet worden. Bisher können sich selbst Experten diesen Rückgang nicht erklären. Jedoch wird ein Zusammenhang mit dem virusbedingten Amselsterben vom Spätsommer 2011 nicht ausgeschlossen. Eventuell hat sich aber auch der trockenen Frühling 2011 negativ auf die Brut der Amseln ausgewirkt

München- Natur in der Stadt?

Das können Sie tun!

Sie sind Gartenbesitzer in städtischen oder stadtnahen Gebieten, wollen aber Vögel trotzdem bestmöglich unter-stützen?! Dann gestalten Sie Ihren Garten doch naturnah!

Das heißt konkret: Schaffen Sie Platz für Beerensträucher wie Liguster und Vogel-beere, anstatt immergrünen Formgehölzen wie Buchsbaum und Thuja! So können Sie auf ganz natürliche Weise immer einen gedeckten Tisch für Ihre kleinen Vogelbe-sucher bereithalten!

Münchens nach wie vor ungebrochener Bauboom, stetiger Zuwachs an Einwohnern, Steigerung der Infrastruktur - das alles wirkt sich sehr negativ die Häufigkeit und die Arten-vielfalt der innerstädtischen Vogelwelt aus. Dies zeigt sich daran, dass die Münchener Vogelfreunde rund ein Drittel weniger Vögel zählen konnten als der Durchschnittsbayer.

26 Vögeln pro Zählung in München standen so 38 Vögel pro Zählung in Gesamtbayern gegenüber. Die Artenvielfalt innerhalb Münchens zeigt ebenfalls eine traurige Bilanz: Während jeder zweite Vogelbe-obachter in Bayern den Spatz zählen konnte, hatte nur jeder fünfte Münchner das Glück, ein Münchner Spatzerl zu sehen. Sogar beim „Allerweltsvogel“ Buchfink bildet München mit nur durchschnittlich einem Exemplar pro Zählung das Schlusslicht für ganz Südbayern.

Eine Ehrenrettung unternimmt der Buntspecht, den jeder zweite Münchner, aber im Durchschnitt nur jeder dritte Bayer zu Gesicht bekam. Hier zeigt sich die Tatsache, dass München im Gegensatz zu vielen ländlichen Gemeinden einen sehr hohen Altbaumbestand aufweisen kann. Diesen haben Buntspechte bitter nötig, um Bruthöhlen zu bauen und unter der Baumrinde nach Insekten zu suchen.

Im Münchner Landkreis konnten immerhin schon 31 Vögel pro Zählung beobachtet werden. Mehr Vogelfreunde als in Rest-Bayern konnten sich dort über die Wintergäste Bergfink und Wacholderdrossel freuen. Beide Vogelarten überwintern gern möglichst südlich, aber in sicherem Abstand zum oft verschneiten Alpenvorland.

 

Münchner Highlight:

Dieses Jahr wurden in den Randgebieten von München 10 Rebhühner gemeldet! Zwei Rebhühner wurden bei Siebenbrunn in der Nähe des Tierparks gesichtet und ganze 8 Stück meldete uns eine Vogelbeobachterin aus der Siedlung Freiland bei Lochhausen. Das ist beinahe unglaublich, da Feldvögel wie das Rebhuhn aus innerstädtischen Gebieten aufgrund schrumpfender Lebensräume und immer weniger Nahrungsangebot nahezu verschwunden sind und deswegen als sehr gefährdet im Großraum München gelten.

 

Die gesonderte Auswertung für München finden Sie in Tabelle 2 (Schwarmgrößen), Tabelle 3 (durchschnittlich gemeldete Zahl) und Tabelle 4 (Arten enthalten in % der Melde-bögen). Die Gesamt-bayerischen Ergebnisse, unterteilt nach Landkreisen, finden Sie hier.


Selten in München: Rebhuhn in freier Wildbahn. Fotografiert von Josef Schröpfer

Endlich wieder Kraniche! Foto: Manfred Waldhier

Die Newcomer in Bayern!

Zum ersten Mal seit drei Jahren wurden wieder überwinternde Kraniche in den Landkreisen Rosenheim und Traunstein gesichtet! Ebenso ungewöhnlich sind die Meldungen von 15 Rotmilanen und drei Kiebitzen, da beide Arten für gewöhnlich nicht in Bayern vorkommen.

Einzelne Vogelfreunde hatten das Glück, sehr seltene und außergewöhnliche Besucher beobachten zu dürfen. So wurden dieses Jahr 69 Eisvögel, 21 überwinternde Weißstörche, sechs Kornweihen, ein nordischer Merlin und eine Ringdrossel gemeldet!

 

Glückliche Gewinner

Natürlich hatte auch dieses Jahr jeder Teilnehmer die Chance, einen tollen Preis zu gewinnen. Der Hauptpreis, ein hochwertiges Swarowski-Fernglas zur Vogelbeobachtung, geht an Familie Gradl aus Sulzbach-Rosenberg. Über eine Digitalkamera der Firma Foto Video Sauter darf sich Franziska Boner aus München freuen. Weitere Teilnehmer können sich über Geschenkgutscheine der Hofpfisterei sowie andere kleine Preise freuen. Alle Gewinner werden vom LBV persönlich benachrichtigt.

 

Herzlichen Glückwunsch an alle Gewinner, sowie ein herzliches Dankeschön an alle Sponsoren!

 

Eine große Freude machten uns auch die vielen freundlichen Zuschriften und liebevoll gestalteten Meldebögen! Es ist schön zu sehen, wie viel Spaß Ihnen die Stunde der Wintervögel bereitet! Außergewöhnlich viel Mühe gab sich Vogelfreund Klaus Hoffmann. Sein selbst geschriebenes Gedicht können sie hier nachlesen. Herzlichen Dank, Herr Hoffmann!

 

Wussten Sie, dass…

...die „Stunde der Wintervögel“ die größte naturkundliche Mitmachaktion Deutschlands ist?

Deutschlandweit beteiligten sich rund 56.800 Menschen, die mehr als 1,6 Mio. Vögel beobachteten. Die Aktion liefert wichtige Daten über die Entwicklung der Vogelarten und ermöglicht somit Rückschlüsse auf die Auswirkungen des Klimawandels und der Eingriffe des Menschen in die Natur.

Übrigens: Unsere singenden Vogelsteckbriefe

können Sie weiterhin hier im Internet lesen!

 

Wer war im letzten Winter der „Star“ unter den Vögeln?

Die Ergebnisse der Stunde der Wintervögel 20062007, 2008, 2009, 2010 und 2011 können Sie hier nachlesen

Ein wunderschön verziertes Briefkouvert schickte uns die 13-jährige Sarah Franz. Es hat uns so gut gefallen, dass wir es hier unbedingt zeigen möchten. Danke, Sarah!